Typisch Lügde: Hermann bleibt – und kostet die Stadtkasse keinen Euro
Private Spenden sichern Stahl-Hermann vor dem Rathaus – Lügderinnen und Lügder finanzieren Kunstwerk vollständig selbst
Lipperinnen und Lippern wird gerne nachgesagt, besonders sparsam zu sein. In Lügde hat man jetzt bewiesen, dass an diesem Klischee durchaus etwas dran sein könnte: Der fast vier Meter hohe Stahl-Hermann vor dem Rathaus bleibt dauerhaft in der Stadt – und dafür musste kein einziger öffentlicher Euro ausgegeben werden. Die für die Übernahme erforderlichen 1.500 Euro wurden vollständig durch private Spenden aufgebracht. Während andernorts öffentliche Mittel für die Übernahme der im Rahmen des Projektes „Hermann 150“ aufgestellten Skulpturen eingesetzt wurden, war für Lügde von Anfang an klar: Wenn Hermann bleiben soll, dann soll dies aus der Mitte der Stadtgesellschaft heraus ermöglicht werden.
Und genau das ist gelungen. „Man sagt uns Lipperinnen und Lippern ja gerne nach, dass wir besonders gut auf unser Geld aufpassen. In diesem Fall können wir mit einem Augenzwinkern sagen: Das stimmt offenbar“, freut sich Bürgermeister Torben Blome. „Unser Hermann bleibt in Lügde, ohne dass dafür ein einziger Euro aus der Stadtkasse eingesetzt werden musste. Dass Bürgerinnen und Bürger sowie örtliche Unterstützer gemeinsam die komplette Summe aufgebracht haben, ist ein schönes Zeichen der Verbundenheit mit unserer Stadt.“
Hermann wacht über Rathaus und Marktplatz. Seinen Platz hat der Lügder Hermann bereits gefunden. Seit dem Frühjahr des vergangenen Jahres steht die fast vier Meter hohe Stahlskulptur auf dem Marktplatz unmittelbar vor dem Rathaus. Dort ist sie inzwischen zu einem vertrauten Blickfang und beliebten Fotomotiv geworden.

Und der Standort könnte kaum passender sein: Vom Rathaus aus steht Hermann nahezu auf einer geraden Linie zum Osterkreuz auf dem Osterberg. Damit verbindet sein Standort zwei markante Punkte der Stadt – das Rathaus im Herzen der historischen Altstadt und das weit sichtbare Osterkreuz als eines der besonderen Wahrzeichen Lügdes. „Unser Hermann wacht jetzt gewissermaßen am Rathaus und hat dabei symbolisch das Osterkreuz im Schulterblick“, so Blome. „Ich finde, viel passender hätte sein dauerhafter Standort kaum sein können.“ Seit 2009 läuft das vom Felix-Fechenbach-Berufskolleg und dem Kreis Lippe gestiftete Hermannrad mit dem Sinnspruch „Memoriam der Varusschlacht, drum lauf ich in der Osternacht.“
Hintergrund ist das 150-jährige Bestehen des Hermannsdenkmals im Jahr 2025. Aus diesem Anlass entwickelte der Künstler Hans Kordes das Kunstprojekt „Hermann 150“. Gemeinsam mit den 16 lippischen Kommunen entstand eine Sonderedition der fast vier Meter hohen Stahlfiguren, die an markanten Orten in Lippe aufgestellt wurden. Die Aktion war zunächst zeitlich begrenzt. Wer seinen Hermann dauerhaft behalten wollte, musste die Skulptur anschließend übernehmen. In Lügde waren dafür 1.500 Euro aufzubringen.
Eine Zusage am Hochzeitstag
Zu den Unterstützern der Aktion gehört auch Michael Danzinger, Chef des Lügder Unternehmens Ri-Da-Car. Seine Zusage, sich an der Finanzierung des Hermanns zu beteiligen, gab er an einem für seine Familie ohnehin besonderen Tag: am Hochzeitstag seiner Tochter.
Dass diese Geschichte noch eine unerwartete Fortsetzung bekommen sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt niemand ahnen. Denn Künstler Hans Kordes hatte für die Lügder Spendenaktion zusätzlich einen 1,10 Meter großen Gartenhermann zur Verfügung gestellt, der unter allen Spenderinnen und Spendern verlost wurde. Das Los fiel ausgerechnet auf Michael Danzinger.
Damit bleibt nicht nur der große Hermann in Lügde. Auch sein kleiner Bruder hat in der Stadt ein neues Zuhause gefunden. „Dass Michael Danzinger seine Unterstützung am Hochzeitstag seiner Tochter zugesagt hat und nun auch noch den Gartenhermann gewinnt, ist natürlich eine schöne Geschichte“, sagt Blome. „Vor allem aber gilt unser Dank ihm und allen anderen Spenderinnen und Spendern. Viele einzelne Beiträge haben dafür gesorgt, dass wir gemeinsam das Ziel erreicht haben.“
Auch Künstler Hans Kordes freut sich über den dauerhaften Verbleib seiner Skulptur: „Der Hermann hat sich in Lügde offensichtlich schnell eingelebt. Dass die Bürgerinnen und Bürger selbst dafür gesorgt haben, dass er bleiben kann, ist ein besonders schöner Abschluss für das Projekt ‚Hermann 150‘.“
Damit ist nach der erfolgreichen Spendenaktion endgültig klar: Hermann bleibt in Lügde. Er wacht künftig dauerhaft vor dem Rathaus – mit Blick in Richtung Osterberg. Und ganz lippisch hat er die Stadtkasse dabei keinen Euro gekostet.
Bilder: ©Stadt Lügde (o.li. Bürgermeister Torben Blome, o.re. Künstler Hans Kordes,
Spender – u.li. Uwe Tillmanns, mi. Eugen Heinrich, u.re. Marcus Wilsmann,
Gewinner des Gartenhermann – Michael Danzinger

