„Ankommen, Wachsen, Gestalten“: Ausstellung zeigt Erfolgsgeschichten gelungener Integration
Wanderausstellung der VHS Lippe-Ost zum zehnjährigen Bestehen der Integrations- und Berufssprachkurse im Lügder Rathaus eröffnet
Hinter jedem Namen, hinter jedem Sprachkurs und hinter jedem Zertifikat steht ein Mensch – und oftmals die Geschichte einer ganzen Familie. Genau diese persönlichen Geschichten stehen im Mittelpunkt der Wanderausstellung „Ankommen, Wachsen, Gestalten“, die anlässlich von zehn Jahren Integrations- und Berufssprachkursen der VHS Lippe-Ost entstanden ist. Am Montag wurde die Ausstellung im Rathaus der Stadt Lügde eröffnet. Dort ist sie noch bis zum 30. September 2026 zu sehen.
Die Ausstellung ist als Wanderausstellung für das Verbandsgebiet der VHS Lippe-Ost konzipiert. Ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichten darin von ihrem Ankommen in Deutschland, von den Herausforderungen der ersten Jahre und davon, wie sich ihr Leben seitdem entwickelt hat. Im Mittelpunkt stehen dabei ganz bewusst nicht Zahlen oder Statistiken, sondern Menschen und ihre persönlichen Wege.
Für Bürgermeister Torben Blome war es deshalb eine besondere Freude, die Ausstellung in Lügde zu eröffnen. Gemeinsam mit Menschen, die in den vergangenen Jahren nach Lügde gekommen sind, Vertreterinnen und Vertretern der VHS um Leiterin Rieke Becker, Karin Dylong und Nicole Grützmacher sowie Mitarbeitenden der Verwaltung konnte dabei auf ganz konkrete Erfolgsgeschichten zurückgeblickt werden.
„Hinter jedem Kursteilnehmer steckt am Ende ein Mensch, eine persönliche Geschichte und häufig auch eine ganze Familie. Gerade deshalb ist es uns ein wichtiges Anliegen, auch einmal diejenigen Geschichten sichtbar zu machen, bei denen Integration gelungen ist und bei denen wir heute ganz konkret sehen können, was Menschen mit viel eigener Kraft, Ausdauer und Unterstützung erreicht haben“, betonte Bürgermeister Blome bei der Eröffnung.
Viele Menschen seien in den vergangenen Jahren aufgrund von Krieg, Verfolgung und Konflikten nach Deutschland gekommen – unter anderem aus Syrien und aus der Ukraine. Insgesamt sind im Verbandsgebiet aus über 60 Nationen Menschen in Integrationskursen betreut worden. Viele hätten bei ihrer Ankunft kein oder nur kaum Deutsch oder Englisch gesprochen, andere hätten zunächst sogar eine völlig neue Schrift erlernen müssen. Der Weg in einen Sprachkurs, anschließend in Ausbildung oder Beschäftigung und schließlich in ein selbstständiges Leben sei deshalb keineswegs selbstverständlich.
Wie dieser Weg gelingen kann, wurde bei der Ausstellungseröffnung anhand persönlicher Lebensgeschichten besonders deutlich. Mahmoud Alo und Mamo Avdal, die vor Jahren nach Deutschland gekommen sind und heute in Lügde leben, berichteten von ihrem eigenen Weg. Herr Alo arbeitet als Gärtner in einem Lügder Betrieb . Herr Avdal hat eine Ausbildung in Lügde in der Altenpflege absolviert und arbeitet heute in Bad Pyrmont in einer Pflegeeinrichtung. Beide haben beruflich Fuß gefasst, Familien gegründet und sind längst Teil des gesellschaftlichen Lebens vor Ort in Lügde geworden.
Besonders eindrucksvoll sei für Bürgermeister Blome eine Aussage gewesen: Beide bezeichneten Lügde inzwischen als ihre Heimat und machten deutlich, dass sie hier bleiben möchten. Dabei schätzen sie insbesondere das persönliche und vertraute Miteinander in der kleinen Stadt. „Wenn Menschen, die unter schwierigen Umständen zu uns gekommen sind, Jahre später sagen: Hier ist meine Heimat, hier möchte ich bleiben, dann ist das etwas, über das wir uns freuen dürfen. Da ist ein ganz starkes Bekenntnis, dass sie hier gut aufgenommen wurden. Diese Menschen arbeiten hier, gründen Familien, engagieren sich und leisten ihren Beitrag zu unserer Gesellschaft. Sie gehören heute zu unserer Stadt“, so Blome.
Für Blome ist das Thema auch mit persönlichen Erinnerungen verbunden. Bereits im Jahr 2015 war er als damaliger Mitarbeiter der Bezirksregierung am Aufbau von Flüchtlingsunterkünften beteiligt. Schon zu dieser Zeit arbeitete er mit Akteuren zusammen, die sich mit der Aufnahme und Unterbringung geflüchteter Menschen beschäftigten. Umso bemerkenswerter sei es, heute – mehr als zehn Jahre später – zu sehen, welche Entwicklungen seitdem möglich geworden sind.
„2015 ging es zunächst darum, innerhalb kürzester Zeit Unterkünfte zu schaffen und Menschen überhaupt erst einmal aufzunehmen. Heute können wir auf Lebenswege schauen und feststellen: Viele dieser Menschen haben die Möglichkeiten, die ihnen geboten wurden, mit großer Anstrengung genutzt. Sie sprechen Deutsch, arbeiten, ziehen ihre Kinder hier groß und sind aus unserem Alltag teilweise gar nicht mehr wegzudenken. Unsere Kinder besuchen heute sogar die gleiche Kindertageseinrichtung und Schule.“
Ein weiterer Moment, der ihm besonders in Erinnerung geblieben sei, war die Übergabe von Sprachzertifikaten eines Integrationskurses an der Johannes-Gigas-Schule. Dabei sei deutlich geworden, welchen persönlichen Stellenwert ein bestandenes Sprachzertifikat für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer habe. „Für uns ist es vielleicht zunächst ein Stück Papier. Für die Menschen, die monatelang gelernt und sich eine vollkommen neue Sprache erarbeitet haben, ist es dagegen ein echter Meilenstein. Es steht für Selbstständigkeit, für neue berufliche Möglichkeiten und oftmals auch für das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.“ Für manche schließe sich daran inzwischen ein weiterer Schritt an: Sie entscheiden sich bewusst dafür, die deutsche Staatsangehörigkeit anzustreben und ihre Zukunft dauerhaft in Deutschland zu gestalten.
Die Ausstellung soll deshalb auch Mut machen. Gleichzeitig, so Blome, müsse eine sachliche Debatte über Migration und Integration auch Schwierigkeiten benennen dürfen. Ebenso wichtig sei es aber, diejenigen nicht aus dem Blick zu verlieren, die ihre Chancen ergriffen und erhebliche persönliche Anstrengungen unternommen hätten.
„Natürlich wissen wir, dass Integration nicht in jedem Fall problemlos verläuft, das muss man auch klar benennen. Aber genauso wenig dürfen wir verschweigen, dass sehr viele Menschen die Chancen, die unser Land ihnen eröffnet, aktiv genutzt haben. Wer die Sprache lernt, arbeitet, Verantwortung übernimmt und sich in unsere Gesellschaft einbringt, verdient Anerkennung und Unterstützung. Diese Menschen können wir als Gesellschaft sehr gut gebrauchen.“
Genau dafür steht die Wanderausstellung „Ankommen, Wachsen, Gestalten“: Sie gibt den Menschen hinter den Integrations- und Berufssprachkursen ein Gesicht und zeigt, was sich innerhalb von zehn Jahren entwickeln kann.
Die Stadt Lügde lädt daher alle Interessierten ein, sich selbst ein Bild von diesen Lebenswegen zu machen. Die Ausstellung ist bis einschließlich 30. September 2026 im Rathaus Lügde zu sehen und wird anschließend innerhalb des Verbandsgebietes der VHS Lippe-Ost weiterwandern.
Bildrechte Stadt Lügde
Auf dem Bild zu sehe v.l.n.r. Karin Dylong, Mamo Avdal, Torben Blome, Mahmoud Alo, Manuel Haße, Rieke Becker, Nicole Grützmacher

