Lügde

„Man muss in die Zukunft investieren“

Podiumsdiskussion der Landratskandidaten im Lügder Chilli

Rund 40 Gäste aus Lügde und Umgebung waren gekommen, um den Kandidatinnen und Kandidaten auf den Zahn zu fühlen und ihre Sichtweisen rund um Kinder- und Jugendarbeit, Gesundheit, Bildung und Nahverkehr zu verfolgen.

Ins Kinder- und Jugendzentrum „Chilli“ kamen alle sechs Kandidatinnen und Kandidaten für das Landratsamt: Ilka Kottmann (SPD), Meinolf Haase (CDU), Dr. Inga Loke (Die Grünen), Andreas Epp (Aufbruch C), Paul Kuhlemann (Die Partei) sowie Heike Görder (UKTM). Einige kannten den offenen Treff vom SOS-Kinderdorf Lippe bereits, andere verschlägt es sonst nur selten nach Lügde. 

Koordinator Holger Busch stellte die Runde vor und stieg schnell mit einem brandheißen Thema ein: der Personaldecke im pädagogischen Bereich. „In Lügde und seinen Ortsteilen leben rund 1000 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 17 Jahren“, so der Koordinator. „Für die offene Jugendarbeit bekommen wir vom Kreis Lippe 1,1 Stellen finanziert.“

Die einheitliche Meinung auf die Frage, ob dieser Schlüssel ihrer Meinung nach beibehalten, erhöht oder sogar gekürzt werden solle, fiel zunächst einstimmig aus: natürlich sei eine Person auf 1.000 Kinder viel zu wenig. Kinder- und Jugendarbeit sei eine der wichtigsten Aufgaben, die im Kreis auch in Zukunft gefördert werden müsste.

Unter anderem Dr. Inga Loke sieht die Sache aber auch realistisch. Denn irgendwie müsse ja alles über die Jugendhilfeumlage finanziert werden „Wenn wir das machen, muss man einmal darüber sprechen, ob Lügde und die anderen Städte und Gemeinden das zahlen wollen. Denn eine neue Stelle wird über alle umgelegt. Eine Ausnahme bilden die Städte mit eigenen Jugendämtern wie Detmold, Lemgo und Lage.“ Man müsse laut Loke einen Konsens finden und es sei daher nicht so einfach, Stellen zu verdoppeln oder zu verdreifachen – auch, wenn es richtig wäre.

Auch das Haushaltsdefizit von 10 Millionen Euro wurde Thema. „Das ist richtig viel“, betont Heike Görder, aber: „jeder Euro, der hier bei euch reinfließt, ist so gut angelegtes Geld. Ihr seid unsere Zukunft. Man muss in die Zukunft investieren.“ 

Mit dem Thema „Bildung“ wurde ein weiteres großes Feld angerissen. Ilka Kottmann betont, dass die Übergänge im Schulsystem gut begleitet werden sollten. „Es ist wichtig, dass jeder junge Mensch den Weg findet, der ihn dann zum Schluss glücklich macht. Dafür stecken wir Geld in die Bildung“. Es gehe zum Beispiel um Gebäude und Ausstattungen für Schulen und Kitas.

Im Rahmen der Diskussion ist auch eine Idee entstanden. Holger Busch merkte an, dass es zwar auf Stadtebene Schüler-, Kinder- und Jugendräte geben und die jungen Menschen so gehört und beteiligt werden. Ob so etwas nicht auch auf Kreisebene möglich wäre? Ein Zuschauer merkte an, dass es so ein Format in der Vergangenheit mal gegeben hätte, es aber eingeschlafen ist. Alle Kandidatinnen und Kandidaten nahmen die Anregung auf und versprachen diese im Blick zu behalten und ggf. umzusetzen.

Andreas Epp legt seinen Fokus außerdem auf den Ausbildungsmarkt: „Firmen, die ausbilden, sollten gestärkt werden. Wenn das nicht mehr funktioniert im handwerklichen Bereich, dann haben wir ein Problem.“ 

Als dritter großer Bereich wurde die Gesundheit benannt. „Das Ziel muss sein, dass jeder einen Hausarzt hat und wir nicht monatelang auf Facharzttermine warten müssen“, so Kottmann. Entsprechende Konzepte zu Bürokratieabbau, Telemedizin oder Gesundheitszentren lägen auf dem Tisch. Der Kreis könne einfordern, Menschen an einen Tisch zu bringen und Lösungen zu fordern. 

Meinolf Haase betont, dass das Problem der hausärztlichen Versorgung schon lange bestehe. „Die Kreisverwaltung hat nicht mit der kassenärztlichen Vereinigung auf Augenhöhe gearbeitet. Man hat sich gestritten.“ Es gebe zudem mehr als 5.000 Ärztinnen und Ärzte, die auf ihre Zulassung durch die Bezirksregierung Münster warten. „Gesundheit geht uns alle an. Da gehört die Kliniklandschaft zu, da gehört die ärztliche Versorgung zu. Das müssen wir anpacken.“ 

Paul Kuhlemann kritisiert das System als solches. „Wir haben ein katastrophales Gesundheitssystem in Deutschland. Wir haben eine Zwei-Krankenkassen-Gesellschaft eine Privatisierung, zu hohe Numeri Clausi für neue Ärzte und so weiter“. Er hoffe auf eine Bundesregierung, der die Infrastruktur aufbaue und das Problem „in den Griff kriegt“.  

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion haben sich die Kandidatinnen und Kandidaten unter die Gäste gemischt und bei Finger Food und Getränken noch die ein oder andere Frage zum Haushaltsdefizit, dem Deutschlandticket und zum Gesundheitssystem diskutiert. 

Ein herzlicher Dank an die sechs Politikerinnen und Politikern, die sich sehr nahbar zeigten und den Weg zu uns nach Lügde auf sich genommen haben! 

Fotos: Laura Hesse, SOS-Kinderdorf Lippe